Serie

Prinzessin Elizabeth – The Crown

God save the queen. Aber halt nicht ohne Gegenleistung. Darf sich auch schon Jahrzehnte vor dem Brexit mit nervigen britischen Männern herumschlagen: Queen Elizabeth.

The Crown (seit 2016) – Die Story

Drehbuch Episode 1: Peter Morgan
Plötzlich Königin. Die junge Prinzessin Elizabeth (Claire Foy) muss kurz nach der Heirat ihres geliebten Prinz Philipps die Nachfolge ihres Vaters antreten. Ist gar nicht so leicht an der Spitze des britischen Königreiches. Vor allem, wenn man sich nicht nur mit Politikern wie Winston Churchill auseinandersetzen darf, sondern auch noch ein Leben unter strengster Etikette leben muss. Und vor der Tür lauert die Presse nur förmlich darauf, dass unserer jungen Regentin ein Fauxpas passiert.

 

Die Einführung von Prinzessin Elizabeth

Erst ist unsere Protagonistin außen vor. Sie blickt im Buckingham Palace auf eine verschlossene Tür, hinter der die Einbürgerungszeremonie ihres zukünftigen Mannes Prinz Philipp stattfindet. Sie zieht sich allerdings zurück, als ihr Vater König George VI den Zeremonie-Raum betritt. Und traut sich erst wieder heraus, als der Trubel vorbei ist, um sich ihren Mann in spe zu schnappen. Der wiederum macht sich über die Zeremonie etwas lustig und erklärt, dass er ja schon einiges für Elizabeth aufgeben würde. Die weist ihn wiederum liebevoll darauf hin, dass er mit ihr als Frau ja doch den großen Hauptgewinn gezogen hätte. Nach ein bisschen Neckerei küssen beide sich innig und Philipp verläßt, unter Elizabeths verliebten Blicken, den Raum.

Die Analyse:

Es menschelt im Königshaus. So läßt sich die Einführung der Hauptfigur in „The Crown“ wohl am besten beschreiben. Bei einer solchen „larger than life“ Figur, die heute ja dann auch sinnbildlich für ein verkrustetes und aus der Zeit gefallenes Königshaus steht, ist das ja durchaus ein
intelligenter Ansatz. Man sichert sich erst einmal die Sympathie des Zuschauers. Nimmt aber auch gleichzeitig schon einmal das große Dilemma der Protagonistin vorweg. Und das alles mit der kräftigen Unterstützung einer Tür.

Eine erstmal verschlossene Tür wohlgemerkt. Auf diese blickt die spürbar angespannte Elizabeth in ihrer ersten Szene. Hinter dieser Türe: der männliche Adel und Klerus Großbritanniens bei der Pflichtausübung. Nichts für eine Dame. Das Elizabeth von der feierlichen Zeremonie ihres zukünftigen Mannes ausgeschlossen ist, ist dann auch ein passender Beginn für „The Crown“. Die Türe steht für die Regeln und Verbote, die sich die gute Elizabeth mit ihrer Geburt eingehandelt hat. Und die sie, ein wichtiger Punkt, auch akzeptiert. Hier steht keine Rebellin. Das wird vor allem deutlich, als dann ihr Vater die Türe öffnet, um der Zeremonie beizuwohnen. Für eine Sekunde kann Elizabeth in den Raum sehen, zuckt dann aber direkt zusammen und zieht sich schnell zurück. Regeln sind schließlich Regeln.

Die Tür geht auf, das Lächeln kommt. Elizabeth zeigt erste Gefühle (Foto: ©Sony Pictures Home Entertainment).

Die Kraft der zwei Herzen
Erst als die Zeremonie beendet ist, die Türe aufgeht und alle den Raum verlassen, traut sie sich wieder hervor. Wie ein scheues Rehkitz, dass sich vorsichtig auf die Lichtung tastet. Das ist die eine Elizabeth. Jetzt kommt aber gleich die zweite zum Vorschein. Das Ende der Zeremonie bedeutet nämlich auch den Beginn von ein klein wenig Privatleben. Die Serie findet ein wundervolles Bild für diesen Übergang. In dem Augenblick, als Philip in ihre Richtung kommt werden die Türen zwischen den beiden von den Bediensteten weit geöffnet. Und genau in diesem Moment weicht Elizabeths angespanntes Gesicht einem breiten Lächeln. Es ist ein wundervoller symbolischer Moment, der im Wesentlichen die Figur und deren Zwiespalt zwischen Privatleben und königlichen Verpflichtungen genau auf den Punkt bringt.

All das Förmliche fällt nun von ihr ab und die beiden verhalten sich auf einmal wie ein paar frischverliebte Teenager. Da wird geneckt und herumgealbert – was für ein Kontrast zu der steifen Zeremonie im Vorfeld. Dabei wird auch klar, dass beide Figuren durchaus auf Augenhöhe agieren. Die vorher schüchtern und unsicher wirkende Elizabeth ist nun wie in einem neuen Element. Sie neckt Philipp mit dessen Vorliebe fürs Rauchen und kontert dessen Kommentar, dass er ja viel für sie aufgeben würde, mit einer selbstbewussten Antwort. Kriegst ja auch ne tolle Frau, Junge. Nur einmal verliert sie kurz die Fassung, als Philip anmerkt, dass die draußen wohl alle denken er hätte den Hauptgewinn bekommen. Bis Philip die Sache dann entschärft und hinzufügt, dass er das natürlich auch so sieht. Der Moment unterstreicht aber, dass Elizabeth tatsächlich über beide Ohren in diesen Mann verliebt ist.

Was wohl die alten Männer denken? Elizabeth und die Angst vor der Etikette (Foto: ©Sony Pictures Home Entertainment).

Der Palast der alten Männer
Als Philipp ihr aber dann einen ersten vorsichtigen Kuss gibt, blickt sich Elizabeth erst einmal fast schuldig um. Nicht, dass einer der alten Herren das beobachtet hat. Die Angst irgendeine Etikette zu missachten ist bei ihr spürbar. Schließlich muss Philipp sie zum Glück zwingen und es folgt ein richtiger Kuss. Und anschließend der verliebte Blick Marke „Teenager-Style“, den Elizabeth dem dann aufbrechenden Philipp hinterherwirft. Die Gegensätze zwischen der trockenen Zeremonie in dem Raum voller alter Männer und dem jetzt innigen Kuss zweier frisch Verliebter könnte kaum größer sein. Wie so oft ist es also der Kontrast mit dem Umfeld, dem man sich hier als Hilfe zur Charakterzeichnung bemächtigt. Ein Umfeld, in dem Elizabeth spürbar Probleme hat ihre Gefühle offen zu artikulieren.

So wird also clever etabliert, dass genau dieser Kontrast einen entscheidenen Punkt im Leben von Elizabeth einnimmt. Das geschickte an der Szene ist aber eben nicht einfach nur, dass man Elizabeths Dilemma gleich zu Beginn schon aufzeigt. Sondern vor allem auch, dass man dadurch gleich eine gewisse Grundsympathie beim Zuschauer für Elizabeth (und Philipp) verankert. Das verliebte Pärchen gefangen im Palast der alten Männer – wie kann man sich da nicht auf die Seite unserer Hauptfigur schlagen. Und die Bedeutung eines solchen Sympathieeffekts sollte man für eine Einführung bloß nicht unterschätzen.

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