Film

Maximus – Gladiator

Es gibt viele Gründe, richtig sauer zu werden. Ganz oben auf der Liste: Der Mord an Frau und Kind. Bühne frei und Daumen hoch für unseren Gladiator Maximus.

Gladiator (2000) – Die Story

Drehbuch: David Franzoni, John Logan, William Nicholson
Der erfolgreiche römische Feldherr Maximus (Russell Crow) verweigert dem neuen Kaiser Commodus (Joaquin Phoenix) die Gefolgschaft. Zur Strafe sendet Commodus ein Killerkommando aus, das Maximus Frau und dessen Sohn tötet. Maximus selbst überlebt dagegen ein geplantes Attentat, schwört wütend Rache und kehrt dafür als kampferprobter Gladiator nach Rom zurück.

 

Die Einführung von Maximus

Eine Hand gleitet durch ein von der Abendsonne durchdrungenes Kornfeld. Wir hören fröhliche Kinderstimmen. Cut. Wir sind im düsteren Germanien. General Maximus hebt nachdenklich seinen Kopf. Er beobachtet einen kleinen Vogel. Als dieser davonfliegt verfinstert sich sein Blick. Passend zur trostlosen Umgebung. Maximus durchschreitet anschließend die Formationen seiner großen Armee und wird dabei von den Soldaten respektvoll gegrüßt. Er und seine Kommandanten fragen sich, ob der Gegner wohl wirklich zum Kampf erscheint. Die Antwort kommt auf einem Pferd. In Form des kopflosen Körpers des römischen Gesandten. Nix mit Frieden.

Also gibt Maximus eine klare Anweisung: Auf sein Signal sollen die Jungs die Hölle entfachen. Während sich die Armee rüstet reitet Maximus, begleitet von seinem Hund, hinter die feindlichen Linien. Dort wartet bereits die Kavallerie, die in den Genuss einer kleinen Motivationsrede durch Maximus kommt. Nicht vergessen Jungs, bald sind wir alle bei unseren Familien. Die Schlacht beginnt. Während die Barbaren die Hauptlinie der Römer angreifen, attackiert Maximus mit der Kavallerie von hinten. Und metzelt blutig seine Gegner nieder. Am Ende darf Maximus, blutüberströmt aber glücklich, sein Schwert in die Luft recken: Roma victor!

Maximus in "Gladiator" - Zitat

Die Analyse

Einen Haufen Leute umzubringen sorgt nicht gerade für Pluspunkte auf der Sympathieskala. Wie weckt man also Verständnis für einen Feldherrn, dessen Rüstung ziemlich oft in die Reinigung muss? Die Einführung von Maximus im Oscar-prämierten „Gladiator“ liefert die Antwort.

Und die ist eigentlich ganz simpel. Wir zeigen erst mal, dass unsere Hauptfigur Frieden ja doch irgendwie bevorzugt. Gleich im ersten Shot streift Maximus Hand friedlich über die Weizenähren in der romantischen römischen Abendsonne. Für einige Sekunden schickt uns der Film in das Innere von Maximus Kopf und offenbart uns dessen wirklichen Motive und Sehnsüchte: Einfach in Ruhe und Frieden mit der Familie leben.

Maximus in "Gladiator"
Einfach mal wieder lecker Brot backen. Maximus im Tagtraum (Foto: ©Universal Pictures Germany GmbH).

Ein Held für Tiere
Das ist aber nur der Anfang von der Sympathietour, die Maximus mal eben vor der blutigen Schlacht für uns einlegt. Als Maximus aus seinem Tagtraum gerissen wird und sich auf einem Schlachtfeld in Germanien wiederfindet, blickt er erst einmal nachdenklich auf einen kleinen Vogel. Ein kleiner Farbklecks in der tristen Landschaft. Und sein freiheitsliebender Blick folgt freudig dem kleinen Wesen, als dieses davonfliegt. Eine Szene, die nicht nur Maximus inneren Wunsch nach Freiheit unterstreicht (er muss sich dem Krieg stellen und kann nicht einfach davonfliegen), sondern ihn auch als durchaus reflektierten Menschen zeigt. Dem der Anblick eines kleinen Vogels das Herz erweichen kann. So jemand kann doch kein schlechter Zeitgenosse sein.

Es sind einprägsame Bilder, die der Film hier nutzt, um den Zuschauer schnellstmöglich an seine Hauptfigur zu binden bevor diese schreckliche Taten vollbringen muss. Und diese Taktik wird auch in den nächsten Minuten konsequent weiterverfolgt. So ist es ein weiterer cleverer Schachzug, Maximus einen Hund an die Seite zu stellen. Auch hier kommt es, diesmal in Vorbereitung auf den Kampf, zu einem intensiven Blickaustausch zwischen Maximus und einem Tier. Während der Vogel aber die Freiheit symbolisiert steht der Hund eher für die wilde Jagd und den Kampf. Am Ende ist es aber trotzdem so, dass die Verbundenheit zu den Tieren Maximus automatisch Pluspunkte beim Publikum sichert. Das ist ein Mann, der eng mit der Natur verbunden ist und mit beiden Beinen auf dem Boden steht. Ein Punkt, der noch mal unterstrichen wird, als Maximus vor dem Kampf nachdenklich etwas Erde durch seine Hand rieseln läßt.

Maximus in "Gladiator"
Krieg statt Frieden – Maximus akzeptiert sein Schicksal (Foto: ©Universal Pictures Germany GmbH).

Der Führer von Nebenan
Nein, dieser Mann ist kein grobschlächtiger Kriegstreiber – diese Botschaft wird in diesen Minuten immer und immer wieder transportiert. Elegant wird dies dabei mit der Etablierung von Maximus als hoch angesehenem Anführer verwoben. Maximus durchschreitet selbstbewusst die Reihen seiner Soldaten, die allesamt vor ihm auf die Knie gehen. Unser Protagonist reagiert aber nicht abgehoben sondern lächelt brav zurück und ermutigt einzelne Soldaten sogar vor dem Kampf. Ein Mann des Volkes eben, nahbar und verständnisvoll.

Hoch angesehen bei den eigenen Soldaten und eigentlich nur auf der Suche nach Ruhe und Frieden – so positioniert man seine Hauptfigur geschickt an der richtigen Stelle der Sympathieskala. Und kann jetzt dazu übergehen, auch etwas härterer Seiten aufzuziehen. Ganz langsam, selbstverständlich. Los geht es damit, dass man Maximus als durchsetzungsstarken Führer etabliert, der mal eben die Anweisung seines Kommandanten korrigiert. Und dessen entspannte Laune schlagartig in professionelle Ernsthaftigkeit umschlägt, als der geköpfte römische Gesandte entdeckt wird. Es folgt das, was man von einem echten Leader erwartet: Maximus gibt kurze und klare Befehle und stellt sich so seiner Verantwortung.

Maximus in "Gladiator"
Ein Mann des Volkes. Maximus stimmt seine Truppe auf den Kampf ein (Foto: ©Universal Pictures Germany GmbH).

Weise und entschlossen
Auf sein Kommando soll die Hölle entfacht werden – der Ton wird also nun deutlich rauer. Aber auch hier unterfüttert man die Figur des Maximus gleichzeitig clever mit einer Dosis Reflektiertheit. Auf die Feststellung des Kommandanten, wieso die Gegenseite denn nicht einfach akzeptiert, dass der Krieg verloren ist, antwortet Maximus: „Would you Quintus? Would I?“ Ein Feldherr, der Verständnis für die Motive seines Gegners zeigt – so edelmütig sieht der „ideale Krieg“ aus. Stein für Stein wird hier also an der Überhöhung unseres Protagonisten gebaut, der genau das richtige Maß an Weisheit, Entschlossenheit, Friedenssehnsucht und Professionalität mitbringt, um das Publikum auch für die folgenden dunkleren Minuten an seine Seite zu ketten. So akzeptiert man einerseits den guten Charakter der Figur wie auch andererseits dessen Eignung als Feldherr.

Es folgt die obligatorische Motivationsrede an das Team, die noch einmal die Autorität aber auch Maximus Sehnsucht nach einer Rückkehr in die Heimat hervorhebt. Und schließlich folgt der blutige Kampf, bei dem Maximus seine ganze Kampfkunst zeigen kann. Doch der Kampf ist mehr als nur ein großes Gemetzel, auch hier wird geschickt weiter am Charakter der Figur gebastelt. Oder zumindest an der Art und Weise, wie wir diese Figur wahrnehmen sollen.

Maximus in "Gladiator"
Auf Leben und Tod. Maximus gibt im Kampf alles (Foto: ©Universal Pictures Germany GmbH).

Unfehlbarkeit macht sympathisch
Natürlich wird die körperliche Stärke (er wirft sich vorbildlich in den Kampf) und die Führungskraft (alle folgen seinen Befehlen) von Maximus in diesem Kampf besonders hervorgehoben. In Kombination mit einer gehörigen Portion Cleverness, da er den Gegner mit der Kavallerie von hinten überrascht. Doch es sind auch noch zwei weitere Momente bemerkenswert. Zum einen überhöht der Film Maximus in dieser Sequenz nicht zu stark, denn auch Maximus überlebt den Kampf nur, weil ein anderer Soldatet ihn in einem scheinbar aussichtslosen Moment rettet. Eine bewusste Entscheidung der Macher, welche die Figur so realistischer erscheinen läßt. Und weniger abgehoben. Nein, dass ist kein Comic-Held mit unfehlbaren Superkräften.

Und es gibt noch einen weiteren Moment, wo der Film einem möglichen Schwarz-Weiß Denken aus dem Weg geht. Als Maximus kurz einen eigenen Soldaten für einen Gegner hält, zeigt die Kamera Maximus vollkommen besessenes Gesicht im Close-Up. Und als Maximus gerade noch rechtzeitig, bevor er zusticht, seinen Fehler erkennt, wandelt sich sein Blick in ein irres kampfeslustiges Grinsen. Ganz im Gegensatz zum armen Gegenüber, einem einfachen römischen Soldaten, dem angesichts seines wahnhaften Vorgesetzten die Düse geht.

Maximus in "Gladiator"
Macht eigentlich doch Spaß, dieses Töten. Maximus im Blutrausch (Foto: ©Universal Pictures Germany GmbH).

Das Publikum kann verzeihen
Genau diesen Moment übersteht Maximus nur deswegen ohne großen Sympathieverlust beim Zuschauer, weil dieser davor dessen wahren (und guten) Motive kennengelernt hat. Ansonsten würde der Zuschauer sich bei diesem Bild wohl eher von dieser „irren“ Figur innerlich distanzieren.
Das passiert hier aber nicht und so bekommt die Figur etwas mehr Tiefe verliehen, ohne dass das Bund zum Publikum dabei reißt. So gelingt es dem Film erfolgreich, Maximus nicht einfach nur als moralisch perfekten Menschen zu zeichnen. Nein, es wird bewusst auch gezeigt, dass der Adrenalinkick im Kampf eben bei allen Menschen einsetzt – vor dem „Blutrausch“ ist keiner so richtig gefeit. Alles andere wäre, gerade beim Porträt eines Feldherren, wohl auch etwas unrealistisch. Es ist dabei spannend zu sehen, dass ein solche Grauzeichnung eines Helden eben nur erfolgreich ist, wenn man vorher auch die nötige Sympathie beim Publikum für ihn etabliert hat.

Und so nimmt man es dieser Figur am Ende der Einführung nicht übel, dass sie nachher blutverschmiert „Roma Victor“ ruft. Die Einführung von Maximus erreicht, dass man als Zuschauer sowohl Sympathie als auch Respekt für den Protagonisten empfindet. Das gelingt durch ein geschicktes Spiel aus einem moralischen Yin und Yang, durch welches das Publikum den ein oder anderen toten Germanen auf Maximus Konto verzeihen kann. Schwamm drüber, weiter gehts mit der Geschichte…

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