Abgeschweift

Mein erstes Mal

In den aktuell düsteren Zeiten für die große Leinwand wird man schon einmal wehmütig. Und sinniert über den ersten Kinobesuchs seines Lebens. Wenn man sich nur daran erinnern könnte…

Gute alte Zeit
Es ist eine harte Zeit für die Kinos. Zug für Zug haben die großen Verleiher ihre Blockbusterfilme entweder auf Mitte nächsten Jahres verschoben oder gleich für den hauseigenen Streaming-Service reserviert. Als letzte Bastion hält aktuell nur noch der Weihnachtsstarttermin für den neuen „Wonder Woman“-Film, aber an die Einhaltung dieses Termins glauben auch nur die größten Optimisten. Die Marginalisierung des Kinos war zwar angesichts des Streaming-Booms vorauszusehen, die Pandemie hat diesen aber deutlich beschleunigt. Die Umstellung auf neue Vertriebsmodelle wird so zu einer Operation am offenen Herzen, die vor allem für die klassische Kinobranche gravierende Spätfolgen haben wird.

Das langfristig vor allem große Multiplexe die Hauptbetroffenen sein werden läßt mich aber zugegebenermaßen eher kalt. Wenn man über 40 ist, dann gehört man bei deren Programm nur noch selten zur Zielgruppe. Nicht schlimm angesichts der Tatsache in der eigenen Wohnung mit Beamer und Leinwand ausgestattet zu sein. Mache ich eben selbst auf Kino. Aber beim Ausdünnungsprozess wird es eben auch einige kleine Kinos erwischen und da blutet dann doch ein wenig mein Herz. Und kommt angesichts dieses Wandel gleichzeitig ins sentimentale Grübeln. Was war eigentlich der erster Kinobesuch meines Lebens?

Cineastische Gedächtnislücken
Als Antwort sollte ich jetzt natürlich als kreativer Schreiberling eigentlich eine herzzerreißende Erzählung von einem emotionalen Erlebnis liefern, bei dem ich mich für immer ins Kino verliebt habe. Tatsache aber ist, dass mich selbst nach intensivstem Nachdenken mein Gedächtnis hier einfach im Stich lässt. In anderen Worten: Ich habe keine Ahnung, wann ich das erste Mal einen Kinosaal betreten habe. Stattdessen gibt es nur einige fragmenthafte Erinnerungen, die in meinem Hippocampus eine Hüpfburg aufgebaut haben. Nutzen wir das also für ein paar wilde Spekulationen.

Das Problem an der ganzen Sache ist, dass mein erster Kinobesuch als kleines Kind stattgefunden hat und ich bei Kinderfilmen ehrlich gesagt kaum noch unterscheiden kann, ob das nun ein Fernseh- oder Kinoerlebnis war. Zumindest was meine frühe Kindheit angeht. Ich meine mich darin erinnern zu können, von meinen Eltern in „Ronja Räubertochter“ geschleppt worden zu sein, womit dann schon einmal das Jahr 1985 in den Raum geworfen werden kann. Wobei auch da eine erste Internetrecherche rund um den offiziellen Starttermin in Deutschland eher für Verwirrung sorgt und wohl auch das Jahr 1986 in Betracht kommt. Aber immerhin, ein erster möglicher Anker ist gesetzt.

Alte Filme für junge Kinder
Ich bin mir aber ziemlich sicher, dass ich in dieser Zeit von meinen Eltern auch noch für andere Kinderfilme ins Kino geladen wurde. Das Problem diese richtig zuzuordnen liegt aber nun mit daran, dass im Kinderkino eben manchmal auch alte Streifen im Re-Run gezeigt wurden, die auch oft gleichzeitig im Fernsehen zu sehen waren. Ob ich damals aber „Pippi in Taka-Tuka-Land“ in einer Kindervorstellung im Kino oder einfach nur im Fernsehen gesehen habe kann mein 41 jähriges Gehirn (die pränatale Zeit ignorieren wir mal) heute einfach nicht mehr auseinanderhalten.

Immerhin bin ich mir sicher damals „Bambi“ im Kino gesehen zu haben, wohl aber kaum zu dessen offiziellen deutschen Kinostart in 1950. So läßt es sich eben leider nicht datieren, wann ich als kleiner Steppke mit Tränen unter den Augen den Tod von Bambis Mutter verarbeitete. Ebenfalls spuken schemenhaft Erinnerungen an „Feivel der Mauswanderer“ oder „Nils Holgerssons wunderbare Reise“ (beide 1987) in meinem Kopf herum – wirklich sicher bin ich mir hier aber auch nicht ob Kinosessel oder heimische Couch mein Gastgeber waren.

In kleinen Schritten zum Erwachsensein
Also ändern wir einmal das Vorgehen. Welches ist denn der erste Film bei dem ich ein wirklich klares Bild davon im Kopf habe wie ich im Kinosessel auf die Leinwand starre? Hier landen wir dann im Jahre 1988 und bei Disney. „Falsches Spiel mit Roger Rabbit“ hat sich vermutlich aus zwei Gründen so stark in mein Gedächtnis gebrannt. Zum einen war es ein relativ erwachsener Kinofilm – so hat es sich damals zumindest angefühlt. Zum anderen erinnere ich mich genau daran wie ich mit meinem Vater das Kino verlassen habe. Warum? Weil es draußen dunkel war. Die erste Abendvorstellung meines Lebens – endlich erwachsen.

Womit sich dann gleich die nächste Frage stellt: In welchem Kino hat dieser legendäre Besuch stattgefunden. Auch da bin ich mir unsicher, da der abendliche Weg den ich damals gegangen bin (bzw. den ich in Erinnerung habe) mit keinem mir bekanntem Kinostandort korrespondiert. Erinnerungen können echt frustrierend sein wenn man sich nach Logik sehnt. Einige der Kinos an die ich mich aus meiner Jugend noch erinnern kann haben heute auch schon längst zu gemacht. Eines wurde Anfang der 90er durch eine Spielhalle ersetzt und ein weiteres (die gute alte „Kurbel“) wird heute von einem Saturn genutzt (über dem ich aktuell wohne, womit sich ein klein wenig der Kreis schließt).

Disney meets Bölkstoff
Ab dem Jahr 1989 kehrt dann aber auch mein Gedächtnis verstärkt aus dem Erinnerungsstreik zurück und wirft mit vielen Kinoeindrücken um sich. Der Gastauftritt von Steffi Graf in „Otto der Außerfriesische“, „Susi und Strolch“, „Asterix Operation Hinkelstein“ oder „Liebling, ich habe die Kinder geschrumpft“. Und komischerweise erinnere ich mich daran, wie ich minutenlang auf ein Plakat zu Jean-Jacques Annaud „Der Bär“ starre – und später den Film dann auch gesehen habe. Was wohl auch daran liegt, dass dies meines Wissens nach mein erster Kinobesuch abseits der Heimatstadt war. Welche Stadt wiederum, daran kann ich mich…naja…ihr wisst schon.

Ab den 1990ern wird mein Gedächtnis dann noch klarer. Man sollte mit 11 Jahren ja dann auch irgendwann mal seine Erinnerung korrekt abspeichern können. Hier beginnt dann auch so langsam der cineastische Übergang zum Teenager. „Arielle die Meerjungfrau“ und „Bernhard & Bianca“ werden flankiert von „Werner Beinhart“, „Ghostbusters 2“ und „Feuer, Eis & Dynamit“. Nicht, dass diese Auswahl auch nur irgendwie den Verdacht aufwerfen könnte, dass hier die Geburt eines Cineasten anstehen würde. Dafür war das Kinojahr 1991 viel entscheidender, aber dazu kommen wir ein anderes Mal. Jetzt schwelgen wir erst einmal noch ein bisschen in instabilen Erinnerungen:

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