Abgeschweift

2021 – Die Rückkehr der Top 10

In meinem letzten Jahresrückblick hatte ich es ja bereits vermutet – dieses Jahr hat vor allem dank meinem neuen Zugriff auf Online-Screener einen etwas ausgiebigeren Medienkonsum ermöglicht. Der Lohn: eine Top 10 für 2021.

Das Ergebnis des Screener-Zugangs zu Netflix, Amazon, Disney+ und Apple TV ist ein Rekord an Film- und Serienkritiken (25), die ich drüben auf Filmszene verfasst habe. So wird es vermutlich im nächsten Jahr auch weitergehen, was zur Folge hat, dass ich hier im Blog weiterhin lediglich im Monatsrhythmus neue Beiträge veröffentlichen werde – für mehr fehlt schlicht die Zeit. Gleichzeitig wird es gefühlt auch immer etwas schwieriger wirklich interessante Charaktereinführungen zu finden, da man mit nur einem Netflix-Abo dann doch etwas restriktiert ist.

Glücklicherweise habe ich aber inzwischen auch Zugriff auf die komplette Disney+-Bibliothek und so dürfte der ein oder andere Disney-Klassiker in 2022 hier wohl auf der Seite auftauchen. Mit einem Blick auf die Charakteranalysen dieses Jahres ist mir dabei auch nicht verborgen geblieben, dass diese doch ziemlich testosteronlastig geraten sind. Da das eigentlich nicht beabsichtigt ist, zeigt, dass wirklich starke weibliche Hauptrollen leider noch immer viel zu rar gesät sind. Weiblichen Lesern darf aber versichert werden, dass es dieses Jahr dann doch zumindest etwas ausgeglichener zugehen wird und in einem Beitrag sogar gleich vier Damen auf einmal auftauchen werden.

Auch wenn der Blog weiterhin eher in gemächlichem Tempo erweitert wird, einen Vorteil hat meine Rezensionsflut auf Filmszene trotzdem für diese kleine Seite: es reicht dieses Jahr wieder zu einer Top-10-Liste. Auch wenn einige prominente Namen an mir leider bisher vorübergegangen sind (bei den Blockbustern waren das „Spiderman: No Way Home“ und „Matrix Resurrection“, im Art House Bereich „Nomadland“ und „Minari“), gibt es diesmal dann doch eine ganz ordentliche Liste samt kurzen Kommentaren. Und im Anschluss noch ein paar Anmerkungen zu weiteren Filmen und meinem eher dürftigen Serienkonsum in diesem Jahr.

Legen wir aber erst mal mit der Top-10 los, wie immer von hinten beginnend (falls es dazu eine Filmszene-Kritik von mir gibt ist diese natürlich verlinkt):

10: James Bond – No Time to die

Ach, ich würde diesen Film so gerne noch mehr lieben. Weil er wirklich Mut zeigt und neue Wege beschreitet, statt alte lieblos abzufahren. Doch so unterhaltsam und risikofreudig der Film auch ist, am Ende war ich eher etwas enttäuscht. Meiner Meinung nach geht der Film ziemlich fahrlässig mit seinen starken emotionalen Wendungen um. Um das erläutern zu können, gibt es hier jetzt aber erst mal eine Spoiler-Warnung. Noch dabei? Gut, dann kommen wir als erstes zu James Bond in der Vaterrolle. Toller Einfall, aber warum wirft man die Idee erst in den Raum, tut dann so als ob es doch nicht stimmt, um dann doch wieder davon einen Rückzieher zu machen. So untergräbt man jegliche emotionale Wucht, da man sich den wirklichen Konsequenzen dieser Tatsache im Film gar nicht richtig widmen kann. Ebenso frustrierend ist der Schluss des Filmes. Da konfrontiert man Bond mit dem tragischen Dilemma seine Familie nie mehr sehen zu können, läßt dieses aber ebenfalls nie seine emotionale Wucht entfalten, da man Bond wenige Minuten später bereits in die ewigen Jagdgründe schickt. Es ist ehrlich gesagt ziemlich frustrierend, dass man aus derart einmaligen Entscheidungen (für einen Bondfilm) so wenig Kapital schlägt. Und das ist schon fast eine kleine Tragödie. Man merkt, dieser Bond-Film schmuggelt sich gerade noch so in meine Top-10, da mich eher eine Art Hassliebe mit ihm verbindet.

9: Dune

Wir befinden uns noch immer im eher schwächeren Bereich meiner Jahresabschlussliste. Dune bietet großartige Bilder und eine tolle Atmosphäre (auch wenn die Behausungen in dem Film schon fast übertrieben karg ausfallen). Aber emotional ist das schon sehr distanziert und der Film zu kühl, um wirklich mitzureißen. Trotzdem fühlt sich das ganze wie episches Kino an und nach den mageren letzten Corona-Jahren ist alleine das Erlebnis einfach ein schönes Gefühl gewesen.

8: One Night in Miami

Vier der berühmtesten Afro-Amerikaner der US-Geschichte treffen sich in einem Raum: Malcolm X, Muhammed Ali, Soul-Legende Sam Cooke und Footballspieler Jim Brown. Ein faszinierendes Szenario, das ein klein wenig Anlauf benötigt aber gerade gegen Ende zu einem wirklich packenden Kammerspiel wird.

Meine Filmszene-Rezension

7: Cruella

So etwas wie der Überraschungsfilm auf dieser Liste. Einer dieser Fälle, bei dem man mit wenigen Erwartungen (Disney melkt fleissig weiter die eigenen Marken) in den Film geht und dann positiv überrascht wird. „Cruella“ ist ein energiegeladenes Spektakel, dessen oberflächliche Handlung locker durch jede Menge kreative Einfälle wieder aufgefangen wird. Hier geht es zu meiner ausführlichen Rezension auf Filmszene.

Meine Filmszene-Rezension

6: Promising Young Woman

Für schwarzen Humor und ein wenig Bösartigkeit bin ich ja immer zu haben und die Art und Weise wie die Damenwelt hier Rache am anderen Geschlecht ausübt ist schon sehr unterhaltsam. Auch wenn ich vor allem gegen Ende ein klein wenig enttäuscht war und der Film es sich in ein oder zwei Punkten etwas zu einfach macht. „Promising Young Woman“ ist aber sehr gut gemachtes Kino mit einer wirklich starken Hauptdarstellerin.

5: The Power of the Dog

Und auch in diesem Film kriegt toxische Männlichkeit ordentlich einen auf den Deckel. Mit „The Piano“ bin ich irgendwie nie warm geworden, doch der neueste Film von Jane Campion ist vor allem visuell so grandios umgesetzt, dass man hier gerade als Cineast seine helle Freude daran hat und manche Schwäche des Drehbuches nicht so stark ins Gewicht fällt.

Meine Filmszene-Rezension

4: The Father

Demenz aus Sicht des Patienten zu schildern – das ist einfach eine tolle Grundidee. Muss man die aber auch erst mal so überzeugend umsetzen, wie es hier Regisseur Florian Zeller und Anthony Hopkins gelingt.

Meine Filmszene-Rezension

3: Hinter den Schlagzeilen

Auf Platz 3 springt eine deutsche Dokumentation, bei der wir einen Blick hinter die Kulissen der Investigativ-Redaktion der Süddeutschen Zeitung werfen. Eine Doku, die gleichermaßen das Vertrauen in Gerechtigkeit erschüttert und stärkt – einfach packend.

Meine Filmszene-Rezension

2: Der Schüler

So schön wurde Erfolglosigkeit dieses Jahr von keinem anderen umgesetzt. Der indische Regisseur Chaitanya Tamhane zeichnet mit entspannendem hypnotischen Flow das Porträt eines Musikers, dessen Talent nie wirklich zur Geltung kommt. Was in anderen Filmen nur eine Randnotiz ist, wird hier mit traumhaften Bildern zelebriert. Ein Denkmal für alle gescheiterten Talente dort draußen.

Meine Filmszene-Rezension

1: Der weiße Tiger

Indien steht dieses Jahr in meiner Top-10 hoch im Kurs. Der weiße Tiger ist beißende Gesellschaftskritik mit wundervoll nuancierten und ambivalenten Figuren und einem konsequenten Ende. Bessere Unterhaltung mit Tiefgang hat dieses Jahr kein anderer Film geliefert.

Meine Filmszene-Rezension

Und sonst noch?

Was bleibt sonst noch von diesem Filmjahr hängen? „Ghostbusters“ hat mir gezeigt, dass es vielleicht nicht immer eine gute Idee ist zu stark an alten Zeiten zu hängen. Und „The Tomorrow War“, dass man mit einem Bierchen manche schlimmen Machwerke dann doch ganz gut ertragen kann. Dazu gab es jede Menge Mittelmaß, auch wenn das manchmal noch relativ ordentliche Unterhaltung war, wie zum Beispiel bei „Free Guy“ oder „Jungle Cruise“. Eine richtig tolle Serienentdeckung ist dieses Jahr leider ausgeblieben, wenn man mal davon absieht, dass ich endlich angefangen habe das sehr unterhaltsame „Frasier“ zu bingen. Viel habe ich zugegeben mangels Zeit im Serienbereich auch nicht ausprobiert, aber wenn dann wurden meine Hoffnungen meist enttäuscht (wie zum Beispiel bei „Foundation“). Den positivsten Eindruck hat da noch die Dokumentation „Kevin Kühnert und die SPD“ in der ARD Mediathek hinterlassen.

Vielleicht wird 2022 ja ein etwas befriedigenderes Serienjahr, zum Beispiel dank dem Abschluss von „Better Call Saul“ oder weil ich endlich mal dazu komme das oft gehypte „Succession“ anzuschauen. Der Blick auf das Kinoraster für 2022 läßt bisher auch nur begrenzt mein Herz höherschlagen, auch wenn ich für die nächsten Wochen zumindest ein paar Kandidaten auf der Liste habe („The Novice“, „Belfast“, „Nightmare Alley“). Und auch das Blockbuster-Line-Up läßt mich eher kalt. Superheldenfilme bieten kaum Neues und selbst die Fortsetzung von „Avatar“ erscheint mir irgendwie unnötig. Da freue ich mich tatsächlich noch fast am Meisten auf den neuen „Mission Impossible“, da es eigentlich die einzige Filmreihe ist bei der einem noch mit hoher Zuverlässigkeit interessante Action-Setpieces serviert werden. Hoffen wir aber mal, dass nächstes Jahr noch ein paar leckere Überraschungsgerichte auf dem bisher eher kargen Kino-Speisemenü auftauchen.

Damit wünsche ich einen guten Rutsch in 2022 und verbleibe zum Abschluss noch mit einer Übersicht über alle meinen Reviews in 2021 drüben auf Filmszene (inklusive Wertung) – fürs Stöbern über die Feiertage.

Filme
Pieces of a Woman (7/10)
One Night in Miami (8/10)
Der weiße Tiger (9/10)
Pelé (6/10)
Der Prinz aus Zamunda 2 (5/10)
Cherry – Das Ende aller Unschuld (7/10)
Der Schüler (9/10)
Hinter den Schlagzeilen (9/10)
The Woman in the Window (4/10)
Army of the Dead (7/10)
Cruella (8/10)
The Tomorrow War (3/10)
The Father (8/10)
The harder they fall (7/10)
Finch (5/10)
Ghostbusters: Legacy (7/10)
The Power of the Dog (8/10)
Tom Clancy’s Gnadenlos (4/10)
Encounter (6/10)
The Unforgivable (6/10)
Being the Ricardos (6/10)
Don’t Look Up (5/10)

Serien
Loki (Folge 1+2)
Foundation (Folge 1+ 2)
Hawkeye (Folgen 1+ 2)

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