Film

Alice und Michael Green – When a Man loves a Woman

Liebe kann manchmal auf eine harte Probe gestellt werden. Kämpfen hierbei mit Alkoholismus und dem eigenen Rollenverständnis: Alice und Michael Green.

When a Man loves a Woman (1994) – Die Story

Drehbuch: Ronald Bass, Al Franken
Eigentlich scheinen die Schulberaterin Alice (Meg Ryan) und der Pilot Michael Green (Andy Garcia) eine perfekte Ehe zu führen. Doch als Alice immer tiefer in die Alkoholsucht schlittert und sogar beginnt ihre eigenen Kinder zu vernachlässigen, gerät ihre Beziehung gehörig ins Wanken.

Die Einführung von Alice und Michael Green

Mit Anzug und schicker Sonnenbrille betritt Michael eine Bar in San Francisco. Doch nicht er sondern ein anderer Mann sprechen die dort alleine am Tresen sitzende Alice an. Dessen Small-Talk-Versuche prallen allerdings an Alice ab. Wie man es richtig macht möchte nun Michael demonstrieren. Geht allerdings nicht gut los, da Michael Alice anrempelt und diese etwas aus ihrem Glas verschüttet. Mit breitem Lächeln und einem Tuch trocknet er ihren Arm aber geschwind ab und erkundigt sich bei Alice nach deren weiteren Tagesplänen. Und schlägt vor, dass sie ja doch seine Wäsche abholen könnte – schließlich sei er ein vielbeschäftigter Pilot. Angesichts dieses dreisten Auftretens sind sowohl Alice als auch der gerade eben abgeblitzte Verehrer ziemlich verdutzt.

Alice und Michael Green in "When a Man loves a Woman" - Zitat

Doch Michael läßt nicht locker. Er drückt Alice den Abholschein für die Wäsche, Geld und seinen Hausschlüssel in die Hand – mit dem Hinweis, dass er kurz nach Mitternacht wieder daheim sei. Auf Alice Nachfrage, warum er glaubt, dass sie dieser Aufforderung nachkommen würde hat Michael natürlich eine Antwort parat. Er zieht einen Stuhl zu sich, setzt sich Alice direkt gegenüber und weißt stolz auf seine Backkünste hin. Mit dem Vorschlag selbstgebackenen Karottenkuchen bieten zu können scheint er tatsächlich ihr Herz zu erobern, denn Alice setzt sich plötzlich auf Michaels Schoß und bedankt sich mit einem innigen Kuss. Sehr zum Entsetzen des erfolglosen Flirtvorgängers, der dem Geschehen ungläubig beiwohnt.

Alice und Michael Green in "When a Man loves a Woman" - Zitat

Als Michael sich aber dann bei Alice nach dem Besuch des Kabeltypens am frühen Morgen erkundigt, begreift unsere düpierte Flirtkanone (und das Publikum), dass man hier einer kleinen Schauspieleinlage zum Opfer gefallen ist. Und während sich das Ehepaar Green innig küsst und Witze über die eigenen Kinder macht, widmet sich unser liebestoller Barbesucher schnell einer anderen Frau. Bei irgendeiner muss es ja klappen.

Die Analyse

Wie wäre es zur Abwechslung mal mit einer Einführung, die uns anlügt. Die mit uns spielt. Und die aber am Ende ihrer Aufgabe gerecht wird und uns emotional schön dicht an die beiden Hauptfiguren rückt. Die Einführung der beiden zentralen Protagonisten in „When a Man loves a Woman“ hätte es sich dabei eigentlich deutlich einfacher machen können. Doch wieso entscheidet man sich für so eine kleine Scharade anstatt die Beziehung zwischen Michael und Alice vielleicht einfach nur durch eine klassische Alltagsszene zu etablieren?

Eine der wichtigsten Aufgaben einer Einführung ist es ja gleich direkt mal ein Zeichen in Punkto Stimmung zu setzen. Schließlich möchte das Publikum wissen, was einen erwartet. So starten Komödien oft mit ein paar ordentlichen Gags und Action-Filme lassen es zu Beginn meist gleich richtig krachen. Hier ist die Sache aber anders. Was wie eine romantische Komödie beginnt entpuppt sich am Ende als lupenreines Drama. Doch gerade wenn das Drama aus einer Beziehung zwischen zwei Menschen resultiert, ist es wichtig, dass das Publikum und die Figuren erst mal auf die nötige emotionale Fallhöhe gehievt werden. Ähnlich wie auch in „Marriage Story“ entscheidet man sich deswegen für eine spielerische und sehr romantische Einführung eines Ehepaares. So entwickeln wir nicht nur die nötige Sympathie für die Figuren, es wird auch das enge Band zwischen den Figuren etabliert. Und wenn dieses später zu reißen droht, sind wir nun in der Lage echte Betroffenheit zu entwickeln.

Alice und Michael Green in "When a Man loves a Woman"
Cold as ice. Alice reagiert genervt auf die Flirtversuche ihres neuen Sitznachbarn (Foto: ©Walt Disney).

Spielerischer Charme
Der besondere Charme an der Idee hier ist natürlich, dass wir als Publikum ebenso auf das Kreuz gelegt werden wie der arme Barbesucher, der sich Alice als sein Flirtopfer ausgesucht hat. Doch obwohl das Ganze ein Spiel ist erfahren wir zumindest auch ein paar interessante Sachen über Michael und Alice. Von denen wir am Ende gar nicht mal so viel revidieren müssen, wie man vielleicht glauben könnte. Auf der einen Seite bekommen wir natürlich banale Fakten serviert, wie die Tatsache, dass Michael Pilot ist. Doch sein Auftreten in der Bar zeugt auch von viel Selbstbewusstsein. Das er so offensiv auftritt könnte die Gefahr bergen zu aggressiv zu wirken, wird aber nicht nur durch das charmante Spiel von Andy Garcia abgefedert, sondern auch durch kleinere feinfühligere Momente. Wie gleich zu Beginn, als Michael ein Glas auf Alice verschüttet und direkt deren Arm elegant mit einer Serviette abtrocknet.

Michael entpuppt sich ebenfalls als aufgeweckt und schlagfertig, da er scheinbar auf jede Frage von Alice die perfekte Antwort parat zu haben scheint. Auf der anderen Seite wird uns Alice als resolute Frau präsentiert, die zu Beginn erst einmal den Flirtversuch des anderen Barbesuchers locker an sich abprallen läßt. Das sie eine relative starke Persönlichkeit ist, die sich nicht so leicht bedrängen und einschüchtern läßt, scheint sie auch gegenüber Michael zu bestätigen. Dessen Dreistigkeit betrachtet sie eher wie eine Herausforderung, anstatt ängstlich klein beizugeben. Diese Entschlossenheit zeigt sich auch, als sie dem namenlosen Barbesucher über den Mund fährt, als dieser ihr zu Hilfe eilen will. Nein, eine Alice braucht keine Hilfe – sie wird mit Herausforderungen schon alleine fertig.

Alice und Michael Green in "When a Man loves a Woman"
Kommt ein Pilot geflogen. Ob Michael vielleicht das Herz von Alice erwärmen kann? (Foto: ©Walt Disney)

Wie beim ersten Date
Geschickt spielt der Film nun die Rom-Com-Karte und läßt den Schlagabtausch zwischen Alice und Michael immer mehr ins Romantische driften. Und macht dabei etwas ziemlich cleveres. Denn wenn man darüber nachdenkt wird einem bewusst, dass wir hier gewißermaßen die Vorgeschichte der beiden nachgespielt bekommen. Also das erste Kennenlernen und der erste Kuss in einer einzigen Szene. Andere Filme erledigen so etwas mit Rückblenden, hier wird das spielerisch gelöst. So entwickeln wir eine enge Bindung zu den Figuren, da wir auf gewisse Weise das Gefühl haben von Anfang an bei ihrer Beziehung dabei zu sein – auch wenn dies nur vorgegaukelt wird. Die emotionale Wirkung auf uns ist aber ähnlich, da wir am Anfang ja auch davon ausgehen, dass dies wirklich ihr erstes Treffen ist.

Als am Ende alles ans Licht kommt haben wir die Figuren schon viel zu sehr ins Herz geschlossen, um nun wirklich böse zu sein. Vor allem nehmen wir ihnen dank des spielerischen Umgangs miteinander ab, dass sie ineinander verliebt sind. Was natürlich auch an den Darstellern liegt, welche glaubhaft und vor allem auch empathisch transportieren, dass sie offensichtlich gut zueinander passen. Es war zwar fake, aber genau so könnte ihr erstes Date ausgesehen haben. Und so hinterfragen wir auch nicht, wieviel nun da vorher wirklich gespielt war oder nicht. Geschickt werden dazu in die Auflösung auch noch ein paar nette kleine Charakterdetails eingeflochten, wie Alice Liebe für Karottenkuchen oder schlicht die Tatsache, dass die beiden bereits schon Kinder haben.

Alice und Michael Green in "When a Man loves a Woman"
Und, wie läufts daheim? Alice und Michael beenden die Scharade (Foto: ©Walt Disney).

Liebe kommt vor dem Fall
Aber es geht hier weniger darum viele Fakten zu den Figuren zu etablieren. Vor allem soll hier deutlich werden, dass Michael und Alice zwar verheiratet sind, sich aber immer noch sehr lieben (ist ja nicht selbstverständlich). Und wie könnte man das besser zeigen, als das Gefühl eines ersten Dates heraufzubeschwören. Es gibt aber noch ein kleines Problem, welches der Film adressieren muss. Haben Alice und Michael das Spiel nicht auf dem Rücken des armen Barbesuchers ausgetragen? Das Ganze hätte schon einen kleinen Beigeschmack, wenn dieser nun tief enttäuscht und mit hängenden Schultern die Bar verlassen würde. Es droht die Gefahr, dass die Sympathie des Publikums nun zu dieser Figur wandern und die romantische Enthüllung am Ende in einem schlechten Licht erscheinen lassen könnte.

Das möchte man natürlich verhindern. Und so wendet sich der Barbesucher am Ende der Szene gleich an die nächste Frau, um an dieser seine Verführungskünste auszuprobieren. So wird dem Publikum signalisiert, dass man sich um diesen Herrn bitte keine Gedanken machen muss. Der kann seine Enttäuschung sehr schnell wieder abschütteln. So ist garantiert, dass unser emotionaler Fokus wirklich nur auf den beide Hauptfiguren liegt. Deren Beziehung für uns nun gefestigt und liebevoll erscheint, da die beiden Figuren ja so spielerisch und romantisch miteinander interagiert haben. Diese Ehe scheint also auf sicheren Füßen zu stehen. Genau die richtige Voraussetzung, um der Geschichte nun eine möglichst dramatische Wendung zu verpassen…

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