Serie

Dana Scully und Fox Mulder – Akte X

Der eine glaubt an kleine grüne Männchen und Verschwörungstheorien. Die andere an die gute alte Vernunft. Geben so ein ideales Paar für eine konfliktreiche Mystery-Serie ab: Fox Mulder und Dana Scully.

Akte X (1993-2018) – Die Story

Drehbuch Episode 1: Chris Carter
Ein Agent, der an Außerirdische glaubt und mit Verschwörungstheorien um sich wirft – das ist selbst für das gute alte FBI etwas viel. Aber irgendeiner muss die vielen mysteriösen Fälle ja lösen. Um die Auswüchse bei den Ermittlungen von Fox Mulder (David Duchovny) noch halbwegs kontrollieren zu können stellt man ihm die nüchterne Medizinerin Dana Scully (Gillian Anderson) an die Seite. Mit der Hoffnung, dass diese in Zukunft die wahnwitzigen Theorien ihres Kollegen entzaubern kann.

Die Einführung von Dana Scully und Fox Mulder

Nach einer mysteriösen Begegnung mit einem Unbekannten wird eine junge Frau in einem Waldgebiet tot aufgefunden. Die Polizei steht vor einem Rätsel. Da muss wohl das FBI ran. Dessen Hauptquartier in Washington betritt nun Dana Scully. Nach einer kurzen Tour durchs Gebäude kommt sie in ein Büro, in dem schon drei eher ältere Herrschaften auf sie warten. Und nach kurzem Small Talk danach fragen, ob Scully schon einmal vom Agenten Fox Mulder gehört hat. Hat sie, schließlich würde diesem ja sein Ruf als genauso guter wie ungewöhnlicher Daten-Analyst vorauseilen. Worauf die FBI-Oberen Scully die frohe Nachricht verkünden: Ab sofort darf Scully Mulder bei dessen ungewöhnlichen Fällen, den sogenannten X-Files, assistieren.

So sucht Scully Mulder in dessen Büro auf. In dem jede Menge UFO-Plakate hängen. Mulder macht seinem Ruf alle Ehre. Und rattert reibungslos Scullys Lebenslauf herunter – nicht ohne sie der Spionage zu verdächtigen. Trotzdem zeigt er ihr Fotos von dem Mordopfer aus dem Wald und lenkt Scullys Aufmerksamkeit auf eine merkwürdige Substanz, die dort gefunden wurde. Aber Scully kann da erst mal nicht weiterhelfen. Als Mulder aber Außerirdische ins Spiel bringt positioniert sie sich schnell auf der Seite der seriösen Wissenschaft. Die Herausforderung nimmt Mulder gerne an und lädt Scully dazu ein, sich doch zusammen mit ihm vor Ort selbst ein Bild über den Fall zu machen.

Die Analyse:

Die Einführung eines der bekanntesten Bildschirmpaare der 1990er kommt ziemlich klassisch daher – auch wenn zumindest deutlich wird, wie wichtig manchmal ein kleines Lächeln sein kann. Und man erkennt im Fall der Einführung von Dana Scully, mit der die Serie beginnt, auch gut von wem man sich hat inspirieren lassen. Nicht nur in Sachen Frisur erinnert Dana an eine gewisse Clarice Starling. Wenn wir sie zu Beginn auf ihrem Weg durch das hauptsächlich von Männern bevölkerte FBI-Headquarter begleiten, weckt dies Erinnerungen an die Einführung von Clarice. Und ebenfalls wie bei Clarice bekommen wir dann die nötigen Hintergrundinfos zu der Figur in einem Briefing serviert. Nur, dass hier im Büro sogar gleich drei Männer auf Scully warten.

Dana Scully in "Akte X" - Zitat

Solche Briefings gehören zu einer der häufigsten Arten der Figureneinführungen in Crime-Serien und Filmen. Wie bei Bewerbungsgesprächen im echten Leben wirkt das gegenseitige Kennenlernen so zwar irgendwie sehr trocken und oberflächlich, reicht aber, um zumindest die wichtigsten Informationen an den Mann oder die Frau zu bringen. So werden hier kurz Scullys medizinische Ausbildung und ihre zweijährige Zugehörigkeit zum FBI erwähnt. Kombiniert wird das, wie beim Bewerbungsgespräch, mit einer Nachfrage zu den Motivationen der Figur. Auch hier bleibt die Antwort eher oberflächlich – Scully möchte herausstechen und Erfolg haben.

Dana Scully und Fox Mulder in "Akte X"
It’s a man’s world. Scully betritt das FBI-Headquartier (Foto: ©Walt Disney).

Eine Figur, die mitdenkt
Trotzdem kann man hier noch ein paar Sachen zwischen den Zeilen lesen. Das karierte Outfit unterstreicht Scullys eher konservative Haltung und das leicht nervöse Schauspiel ihre Unsicherheit angesichts des hohen Testosteron-Spiegels im Raum. Gleichzeitig wird aber deutlich, dass die Frau trotzdem etwas auf dem Kasten hat. Nicht nur, weil das FBI sie offensichtlich direkt vpn der Uni rekrutiert hat. Sondern auch, weil Scully direkt kombiniert, dass ihr eigentlicher Auftrag die Diskreditierung von Mulder ist. Die Einführung von Scully hat aber auch Auswirkungen auf unser Bild von Mulder, denn hier wird wieder einmal vorab passive Charaktereinführung betrieben. So liefert uns Scully Hintergrundinfos zum noch gar nicht in Erscheinung getretenen Mulder.

Angesprochen auf die Tätigkeit Mulders liefert Scully erste Infos zu dessen Ausbildung und bisheriger Karriere – und legt eine kleine Anekdote (Mulders Spitzname „Spooky Mulder“) noch gratis obendrauf. So wird geschickt die nächste Szene vorbereitet, in die wir (nun schon mit ersten Erwartungen bezüglich Mulder ausgestattet) den zweiten Protagonisten der Serie treffen. Im Büro von Mulder erwartet uns dann fast eine Art Spiegelbild von Scullys Einführung, da sich Mulder dann sozusagen für seine Einführung durch Scully wenige Augenblicke zuvor revanchiert – mit der Erwähnung von weiteren Hintergrundinformationen zu Dana.

Dana Scully und Fox Mulder in "Akte X"
Immer lächeln. Scully stellt sich tapfer den Fragen (Foto: ©Walt Disney).

Zeig mir dein Büro, ich sag dir wer du bist
Erst aber steht die Charakterzeichnung von Mulder auf dem Plan und hier nutzt die Serie die Tatsache, dass wir Mulder in seinem Büro besuchen können. Es ist die “klassische Nerd-Einführung“, bei der unsere Figur scheinbar im Chaos lebt und vertieft über seine Akten hängt. Dabei hängt die Charakterzeichnung auch an den Wänden, denn die Tonnen an UFO-Postern sind schlichtweg nicht zu übersehen. Ebenfalls nicht gerade subtil ist Mulders Hinweis, dass hier ja der unbeliebteste Mitarbeiter des FBI arbeitet – wobei das uns zumindest auch zeigt, dass die Figur zur Selbstironie fähig ist. Ähnlich wie bei Scully wird hier aber auch Wert darauf gelegt, dass die Figur als clever erscheint. Mit genau dem gleichen Ansatz wie bei Dana – Mulder spricht offen aus, dass er sich bewusst ist, dass Dana ihn ausspionieren soll. Das er schließlich weitere eindrucksvolle Leistungen von Dana herunterrattert (und dabei zum Beispiel ihre Arbeit bezüglich Theorien von Einstein erwähnt) hat gleich mehrere Gründe. Zum einen, wird so weiter die Intelligenz von Dana mit Fakten untermauert. Zum anderen zahlt dies auch auf das Konto von Mulder ein, der offensichtlich sauber recherchiert und seine „Gegnerin“ gut analysiert hat.

Fox Mulder in "Akte X" - Zitat

Bisher ist das alles noch sehr nüchtern und faktenorientiert – droht da nicht Gefahr, dass dem Publikum die ganze Angelegenheit zu emotionslos wird? Schließlich sollen diese zwei ja ein Team werden und davon hat man bisher noch nichts gesehen. Genau darauf fokussiert sich nun der Rest der Szene. Es beginnt damit, dass Mulder kurz seinen Respekt für Scullys Arbeit erwähnt, die er gemocht hat. Dieser noch sehr kleinen Liebeserklärung folgt dann aber im Wesentlichen eine Art Teaser für die kommende Zusammenarbeit zwischen den zwei Figuren. Mulder zeigt Scully Fotos von einem Tatort und bittet um ihre Meinung. Geschickt wird so gleich bei der Figureneinführung schon das Grundkonzept der Serie mit aufgegriffen. „Logically, I have to say no“ antwortet Scully auf Mulders Außerirdischen-Theorie. Er ist offen für außerirdische Erklärungen mysteriöser Phänomene, sie zeigt sich skeptisch – genau so wird es in der Serie immer laufen.

Dana Scully und Fox Mulder in "Akte X"
Hallo Nerd! Scully betritt Mulders „Alien-Höhle“ (Foto: ©Walt Disney).

Liebe für den Nerd
Die nun folgende kleine Diskussion darüber verfestigt noch einmal die Standpunkte und das was wir über die beiden Figuren bisher erfahren haben. Somit scheinen die wichtigsten Ziele der Figureneinführung ja abgehakt zu sein. Doch mit verhärteten Positionen möchte man unsere Figuren nicht aus der ersten gemeinsamen Szene entlassen – schließlich möchte man dem Publikum ja doch auch einen kleinen emotionalen Lichtschimmer am Horizont geben.

Und so ruht die Kamera am Ende noch für ein paar Sekunden auf Scully, deren Gesicht noch einmal ein breites Lächeln durchzieht bevor sie den Raum verläßt. Das mag nur ein kleines Detail sein, es ist aber ein entscheidender Hinweis für das Publikum, dass diese beide Figuren sich wohl doch ans Herz wachsen dürften. Für die Stimmung der Serie ein ziemlich wichtiger Moment, der noch einmal etwas Leichtigkeit in die sonst eher nüchterne Angelegenheit bringt. So endet die Figureneinführung mit etwas Herz, auch wenn der Rest schon sehr klassischen und eher weniger kreativen Mustern folgt.

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